Nachgefragt bei Frieder Köhl (91)
Ein Jahrhundert Weiss-Blau – und mittendrin ein echtes Urgestein: Frieder Köhl. Mit fast acht Jahrzehnten im SC Weiss-Blau Aschaffenburg ist er heute das älteste Mitglied – sowohl nach Vereinszugehörigkeit als auch nach Lebensjahren. Bereits im Jubiläumsheft zum 90-jährigen Bestehen gewährte er spannende Einblicke in die Vereinsgeschichte. Zehn Jahre später blicken wir mit ihm erneut zurück – und nach vorne. Übrigens: Dass Weiss-Blau heute über einen Pool verfügt, geht maßgeblich auf seine Initiative zurück.
Frieder: Wenn du heute auf deine Zeit bei Weiss-Blau zurückblickst: Was bedeutet dir der Verein persönlich?
Weiss-Blau ist für mich weit mehr als ein Tennisclub – es ist ein Stück Heimat. Ich habe hier einen großen Teil meines Lebens verbracht, sportlich wie auch gesellschaftlich. Viele Freundschaften sind entstanden und geblieben.
Schon während meiner Berufsjahre bei Opel Brass habe ich einen großen Teil meiner Freizeit im Verein verbracht. Nach dem Eintritt in den Ruhestand wurde mein Engagement noch intensiver. Dazu gehörten neben dem Sport unter anderem auch der Seniorenstammtisch am Sonntagvormittag, Skatrunden und -turniere, die Wandergruppe, die aus einem verregneten Freundschaftsspiel mit Iphitos München entstanden ist, und viele weitere Aktivitäten auf und neben dem Tennisplatz.
Gibt es einen Moment oder ein Erlebnis, das dir bis heute besonders im Gedächtnis geblieben ist – vielleicht auch abseits des Sports?
Da gibt es viele. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber der Bau unseres Pools vor ziemlich genau 60 Jahren. Damals gab es bei Weiss-Blau viele junge Familien, und das gesellschaftliche Leben spielte sich im Club ab. Unsere Anlage bot bereits viele Möglichkeiten, doch ein Pool fehlte noch. Die Finanzierung war schwierig. Ein damaliges Mitglied, Peter Gentil, erklärte sich bereit, gemeinsam mit einer Partnerfirma die Installationen zu übernehmen. Doch der Aushub für den Pool musste noch organisiert werden.
In unserer 1. Herrenmannschaft spielte damals ein amerikanischer Soldat, Ben Stone, dessen Bataillonskommandant regelmäßig bei den Spielen zusah. Ich sprach ihn an – und er sagte sofort zu. Am darauffolgenden Montag standen morgens um sieben Uhr elf Militärfahrzeuge mit Baggern, Raupen und Kippern auf der Anlage. Bereits um 13 Uhr war die Grube für den 10 x 4 Meter großen Pool ausgehoben. Drei Wochen später war das Schwimmbad fertig.
Dass sich unser Pool bis heute bei Groß und Klein großer Beliebtheit erfreut, macht mich sehr glücklich und auch ein bisschen stolz.

Das Bild zeigt die Hockey-Mannschaft von 1958. Frieder Köhl war Kapitän.
Von links: Abteilungsleiter und Gründungsmitglied Georg Hasselbeck, Frieder Koehl, Werner Schüßler, Oskar Neitzer, Karl Lämmel, Toni Eizenhöfer, Kurt Bretscher, Max Bischof, Edgar Mäder; vorn: Wolfgang Sulzer, Gerd Bilz und Edgar Lieb.
Wie hat dich der Tennissport und der Verein als Mensch geprägt?
Vor allem durch das Miteinander. Weiss-Blau war unser zentraler Treffpunkt. Man traf sich nicht nur zum Sport, sondern auch zum Austausch und zur Gemeinschaft. Diese Zeit hat mich sehr geprägt.
Außerdem habe ich durch mein Engagement im Verein viel gelernt – etwa Organisationstalent, Entscheidungsfreude und Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehörte beispielsweise die Ausrichtung der Deutschen Jugendmeisterschaften 1979 und 1984 oder auch meine Ausbildung zum Oberschiedsrichter. Man lernt, Dinge anzupacken, Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig Verständnis und Ausgleich zu fördern.
Welche Entwicklungen im Club haben dich in den letzten Jahren besonders gefreut?
Ich freue mich besonders darüber, dass weiterhin viel Engagement im Verein vorhanden ist. Die Anlage wird gepflegt, und es gibt immer wieder neue Ideen und Impulse. Das zeigt, dass der Club lebendig ist.
Auch infrastrukturell hat sich viel getan: Die neue Clublounge mit Fernseher und Tischkicker bietet Kindern und Jugendlichen heute sogar die Möglichkeit, nach der Schule und vor dem Training Hausaufgaben zu machen. Außerdem zeigt der Bau der Paddelplätze, dass der Verein offen für neue Entwicklungen bleibt.
Vor zehn Jahren hast du über die Entwicklung des Vereins gesprochen – was hat sich seitdem besonders verändert?
Der Club hat sich insgesamt gut weiterentwickelt. Der Wechsel vom Hessischen in den Bayerischen Tennisverband war sicherlich ein bedeutender Einschnitt. Sportlich können wir zwar noch nicht ganz an die großen Erfolge der 1970er- und 1980er-Jahre anknüpfen, aber die Mannschaften entwickeln sich gut. Gleichzeitig haben sich die Rahmenbedingungen im Sport allgemein verändert. Die Konkurrenz durch andere Freizeitangebote ist größer geworden. Dennoch bemüht sich der Verein erfolgreich darum, attraktiv zu bleiben und sich weiterzuentwickeln.
Gibt es etwas, das du dir damals anders gewünscht hättest – und wie siehst du das heute?
Unsere 1. Herrenmannschaft hat damals 13 Jahre – von 1976 bis 1988 – in der Regionalliga Südwest gespielt und stand dreimal kurz vor dem Aufstieg in die Bundesliga. Es hat leider nicht geklappt. Das war damals ein großer Traum von mir als Sportwart – und wäre es auch noch heute.
Was unterscheidet die heutige Tennis-Generation am meisten von früher?
Die Möglichkeiten sind heute deutlich vielfältiger. Früher war Tennis für viele Menschen die einzige oder eine der wichtigsten Freizeitbeschäftigungen. Heute konkurriert der Sport mit vielen anderen Angeboten. Gleichzeitig ist das Training heute jedoch viel professioneller und strukturierter als früher.
Wer hat den Verein in deinen Augen besonders geprägt – damals und heute?
Zu meiner aktiven Zeit als Sportwart war das zum einen unser damaliger 1. Vorsitzender Paul Brass. Er war beruflich wie auch im Verein mein Chef, ein Freund des weißen Sports und zugleich sehr großzügig. Im Sport-Sektor gebührt vor allem Claus Glattbach allerhöchste Anerkennung. In seiner 25-jährigen Zeit als Cheftrainer verstand er es vor allem, die Jugendtalente zu Höchstleistungen heranzuführen und den ihm zahllos aus Hessen zulaufenden Nachwuchs zu fördern. Dieses Erbe übernahm 1998 Christian Steiner mit seiner Frau Ele, die auch weit über 20 Jahre mit umfangreicher Fachkompetenz und Hingabe diese Aufgabe erfüllten.
Heute prägen vor allem der langjährige Vorstand um Hartmut Schmoor sowie Mariela und Christoph Meyer im Sekretariat und als Cheftrainer den Club. Mit ihrem großen Engagement und vielen Ideen sind sie sportlich wie gesellschaftlich eine echte Bereicherung für Weiss-Blau.
Was wünschst du dem Verein zum 100-jährigen Jubiläum?
Ich wünsche unserem SC Weiss-Blau, dass er weiterhin so lebendig bleibt, neue Mitglieder gewinnt und finanziell solide aufgestellt ist. Besonders wichtig ist mir die Förderung der Jugend – sie ist entscheidend für die Zukunft des Vereins. Und sportlich hoffe ich natürlich, dass sich die positive Entwicklung kontinuierlich fortsetzt.
Was macht für dich einen guten Tennisclub aus – unabhängig vom sportlichen Erfolg?
Ganz klar: Zusammenhalt, Engagement und eine gute Mischung aus Jung und Alt. Ein Verein lebt von seinen Mitgliedern – nicht nur von sportlichen Ergebnissen.
Wo siehst du den Verein in den nächsten Jahren?
Wenn es gelingt, die vorhandenen Stärken zu nutzen und gleichzeitig offen für Neues zu bleiben, sehe ich gute Chancen für die Zukunft. Die schöne Anlage und die lange Tradition bilden dafür eine starke Grundlage.
Was muss ein Verein heute tun, um junge Menschen langfristig zu begeistern?
Wichtig ist ein umfassendes Sportangebot, das alle Alters- und Leistungsklassen anspricht. Gleichzeitig braucht es den Zusammenhalt, gute Trainingsbedingungen und ein Umfeld, in dem sich junge Menschen wohlfühlen.
Welchen Rat würdest du jungen Spielerinnen und Spielern heute mit auf den Weg geben?
Neben Trainingsfleiß und Ehrgeiz ist Fairness ganz wichtig. Und vor allem sollte man nie die Freude am Spiel verlieren.
Wenn du einen Wunsch frei hättest für den Club: Welcher wäre das?
Da wünsche ich mir vor allem, dass Weiss-Blau an die sportlichen Erfolge der 1970er und 1980er Jahre anknüpft.
Und zu guter Letzt: Wenn du Weiss-Blau mit drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das?
Tradition, Gemeinschaft und Tennisfreude für alle Altersklassen.
Interview geführt von Susanne Crecelius
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